Die Betrachtung eines Kunst- oder Bauwerks fordert und fördert unsere Sehgewohnheiten.

Sie erweitert unsere Wahrnehmungsfähigkeit oder stellt diese in Frage.

Kunst kann sehen lehren.

Diesen Prozess möchte ich in all meinen Tätigkeitsfeldern unterstützen.
Sei es als Autor, als Referent von Vorträgen und Seminaren oder als Organisator und Leiter von Kulturreisen.

Goethes viel zitierter Satz "Man sieht nur, was man weiß" besitzt noch heute uneingeschränkte Gültigkeit.
Daher ist es mein primäres Ziel, den Blick auf Bau- oder Bildwerke zu schulen und die Augen für deren Charakteristika zu öffnen. Ich versuche deshalb stets, meinen Lesern und Zuhörern "Sehwerkzeuge" zu vermitteln, die über das beschriebene oder besprochene Werk hinaus zur Anwendung gelangen können.

Daraus ergibt sich eine klare Ausrichtung auf das Werk - nicht das Leben eines Künstlers oder Architekten. Ich wende mich bewusst gegen eine heute allzu verbreitete "Künstlergeschichte", die den meist zum Scheitern verurteilten Versuch unternimmt, Kunstwerke weitgehend oder gar ausschließlich über die Biografie ihres Schöpfers zu erschließen.
Nicht sein Leben definiert die Bedeutung und historische Stellung eines Künstlers, sondern ausschließlich sein Werk. So machen beispielsweise nicht Erfolglosigkeit oder der Hang zu Melancholie und Cholerik Vincent van Gogh zu einem Wegbereiter der Moderne, sondern erst die Fähigkeit zur expressiven Umsetzung innerer Vorgänge. Dass mit Paul Cézanne einem gleichsam "biografielosen" Zeitgenossen eine noch höhere Bedeutung für die weitere Entwicklung der Malerei zukommt, mag als weiterer Beleg dafür gelten, dass ein künstlerisches Werk erheblich mehr ist als illustriertes Leben.

Bei der Betrachtung eines Gemäldes oder einer Skulptur kommt in der Regel dem 'wie?' eine erheblich größere Bedeutung zu als dem 'was?'. Nicht der inhalt, sondern dessen formale Umsetzung ist die Grundlage stilistischer oder qualitativer Einordnung.

Max Liebermanns Aussage "Kunst kommt von 'können'. Käme sie von 'wollen', würde sie 'Wulst' heißen" gehört noch heute zu den meist geäußerten Meinungen in Diskussionen um die Frage "Was ist Kunst?".
Doch trifft die Herkunft der Kunst vom 'Können' allenfalls etymologisch zu.
Vielmehr gilt es zunächst, das Kunstwollen einer Epoche, eines Künstlers oder eines einzelnen Werks zu erfassen. Nur vor dem Hintergrund der zugrunde liegenden Zielsetzung können Bedeutung und Qualität beurteilt werden. So kann beispielsweise ein Gemälde nicht an einer tatsächlich gar nicht vorhandenen Absicht gemessen werden. Es wäre beispelsweise sinnlos, die intendierte Flächenkunst des frühen Mittelalters oder des Jugendstils nach Kriterien wie Tiefenräumlichkeit oder Illusionismus zu bewerten.

Die Beurteilung des Könnens setzt die Kenntnis des Wollens voraus.

Beides kann und muss vor allem aus dem Werk selbst herausgesehen werden. Nur so ergeben sich obkjektivierbare Kriterien für eine stilistische, ästhetische oder qualitative Beurteilung.

Hierfür die Augen zu öffnen, ist das wichtigste Ziel meiner Kunstvermittlung.

Eine bisher fast ausnahmslos positive Resonanz unter Lesern und Zuhörern bestätigt mich in meinem Vorgehen.

 

 

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© markus golser 2020